"Hochwassernotgemeinschaft Braubach"
wurde vor 20 Jahren gegründet - Feier mit vielen Weggefährten und Mitstreitern
in der Barbarakirche
Weiter gegen den Strom schwimmen
Engagement von Heinz Scholl gewürdigt -
Dokumentarfilm vorgestellt
Eine Filmszene: Mit dem Megaphon steht
Feuerwehrmann Wolfgang Willems im Ruderboot, das durch die Gassen der Altstadt
treibt, und warnt die Braubacher: "Das Wasser wird noch weiter
steigen!" Vergangenheit. Eine Katastrophe, wie es sie (hoffentlich) nicht
mehr geben wird. Der umfassende Hochwasserschutz für die Braubacher Altstadt
ist nicht zuletzt Verdienst der 1983 gegründeten
"Hochwassernotgemeinschaft Braubach". Das 20 -jährige Bestehen wurde
jetzt mit vielen Weggefährten gefeiert.
BRAUBACH. "Gegen den Strom"
schwammen sie von Anfang an: Was die Rheinfluten in den Jahren 1883/84 ihnen
antaten, wollten die Bewohner der Altstadt, ja alle Braubacher, nicht mehr
hinnehmen. Hochwasserschutz war das Gebot der Zeit. Heinz Scholl war einer der
Initiatoren zur Gründung und ist von Anfang an Vorsitzender der
"Hochwassernotgemeinschaft (HWNG) Braubach", einer streitbaren
Selbsthilfeorganisation, die fortan kontinuierlich für den Schutz der Menschen
vor den Fluten des Rheins agierte. Von der "Konfrontation hin zur Kooperation",
so Vorsitzender Scholl. Das Ergebnis - das natürlich auch die
Entscheidungsgremien im Land, in Stadt und Verbandsgemeinde vorantrieben: Die
Schutzanlagen, die die Altstädter bereits mehrfach vor dem Abtauchen bewahrten.
Die Altstadt ist heute hochwasserfest. Ein
Verdienst, den sich die HWNG getrost auf ihre Fahnen schreiben kann. Darin
waren sich wohl alle Gäste der Feier in der Barbarakirche (hier erfolgte auch
die Gründung) einig.
Die Zahl der Gäste und Weggefährten war groß:
Politiker, Behörden, Verwaltung, Nachbarn, Helfer und vor allem Bürger
gratulierten zu 20 Jahren erfolgreicher Arbeit. Lob fürs "ungeheure
ehrenamtliche Engagement" gab's von Staatsminister a.D. Rudi Geil. Zur
"Pionierarbeit gratulierte erster Kreisbeigeordneter Helmut Klöckner. Die
Notwendigkeit einer Elementarschadensversicherung sprach
Bundestagsabegeordneter Josef Winkler (Bündnis 90/Die Grünen) an. Man habe früh
erkannt, dass nur durch Solidarität etwas erreicht werden kann, meinte
Lahnsteins OB Labonte, und wie untrennbar der Name Heinz Scholl mit der HWNG
verbunden sei, betonte Bürgermeister Werner Groß. "Wir haben noch viel zu
tun. Tun wir es gemeinsam!", ermunterte Stadtbürgermeisterin Rita Wolf mit
Blick auf den Hochwasserschutz Neustadt, für den die entscheidende Schritte
gerade getan werden.
Neben einem Rückblick auf die Geschichte der
HWNG war ein Höhepunkt des Abends die Vorstellung des Films "Gegen den
Strom - Hochwasserschutz für Braubach", der die Entwicklung von der Idee
bis zur Einweihung eindrucksvoll dokumentiert. Gedreht und aus Archivmaterial
zusammengestellt wurde das Video von den Filmemachern Michael Klein und Felix
Zimmer (Redaktion) und Florian Hofmann (Schnitt und Ton). Diese Uraufführung
weckte bei den Zuschauern viele Erinnerungen. Unter anderem auch an die zuerst
skeptisch betrachteten, später dann verwirklichten Ideen der HWNG: Die
Troglösung, das Eintreiben einer Betonwand bis auf den Fels, die heute
verhindert, dass Rheinflut und Grundwasser zwangsläufig dieselbe Höhe erreichen.
Erwähnt wurde auch, dass die HWNG
Braubach" die erste ihrer Art am Mittelrhein war, deren Beispiel viele
andere Initiativen folgten. Nach der "Hochwassernotgemeinschaft
Mittelrhein" wurde 1996 auch die "Hochwassernotgemeinschaft Rhein"
gegründet, der rund 60 Kommunen angehören. Trotz aller Feierlaune betonte Heinz
Scholl, der vielen Wegbegleitern eine Kopie des Films als Geschenk überreichte,
dass sich niemand entspannt zurücklehnen dürfe. Denn wie es weiter gehe mit der
Hochwasserentwicklung, welche Wasserstände zu erwarten und zu befürchten seien,
wisse niemand. "Fest steht, das Thema wird uns immer wieder
beschäftigen". Die HWNG wird weiter gegen den Strom schwimmen.
Informationen zur "HWNG Braubach"
gibt es unter der E- Mail -Adresse: hscholl@rz-online.de oder im Internet unter
www.hwng-braubach.de .Interessierte können den Film "Gegen den Strom" zum
Preis von 10 Euro erwerben. Karin Kring
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 30.04.2003,
Seite 28.

Stolz wurde der Dokumentarfilm
anlässlich der Feier zum 20 -jährigen Bestehen der Hochwassernotgemeinschaft
Braubach den Gästen vorgeführt: Erster Kreisbeigeordneter Helmut Klöckner,
HWNG-Gründer und Vorsitzender Heinz Scholl, Bürgermeister Werner Groß und
Stadtbürgermeisterin Rita Wolf (von links). Foto: Irmgard Edelmann
Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 30.04.2003,
Seite 28.