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Schlierbachstr. 44
56338 Braubach
T+F 02627/1706
(Altstadt + Neustadt)

(HWGroßbachrohr.JPG)
Kurzer
Rück- und Ausblick
zur
Geschichte, Entwicklung und Zielen aus der Sicht der Bürgerinitiative unter dem Motto:
Von der Konfrontation zur
Kooperation
Der
gedankliche Einstieg zum technischen Hochwasserschutz orientierte sich nach den
katastrophalen Doppelhochwassern vom März und April 1983 an den schon vor
Jahrzehnten vor Braubachs Rheinfront errichteten Dammbauten für den Bahn- bzw.
Straßenverkehr. Dieser Gedanke fand dann in der grafischen Gestaltung des Logos
der Hochwassernotgemeinschaft Braubach als erste Bürgerinitiative dieser Art am
Mittelrhein ihren Niederschlag.

Logo der HWNG Braubach (HWNG Logo.JPG)
Bereits in den siebziger Jahren waren hier von den Hochwasserbetroffenen zwischen den Häusern am Bahndamm und teilweise bereits in den Bahnunterführungen provisorische Balkensperren spontan eingebaut worden, die so zumindest den Hochwassereintritt in die Altstadt bei knapp 5jährigen Ereignissen teilweise verhindern konnten. Da hiermit die Durchfahrt innerhalb der Altstadt länger möglich war, hatten außerdem die Einwohner der südlich gelegenen Gemeinden Osterspai, Filsen und Kamp-Bornhofen noch Stunden bzw. Tage länger die Möglichkeit ihre Orte mit dem Auto zu erreichen, bevor die 1 bis 1,20 m hohen/niedrigen Balkensperren dann bei weiter steigenden Pegeln sehr schnell überflutet wurden.

Alter Hochwasserschutz am Bahndamm (HWAlter Schutz Bahndamm.JPG)
Die
Hochwasserbetroffenen der Stadt Braubach wollten mit ihrer Bürgerinitiative
zunächst auf Verbesserungen
beim Hochwasserschutz vor Ort
hinarbeiten und dabei aber auch im überregionalen Bereich auf mangelnde
Ursachenbekämpfung gezielt aufmerksam machen und somit zu ihrem eigenen Schutz
an der Bewältigung und Linderung der Hochwassergefahren mitarbeiten. Da vor Ort
nach 1983 bereits ein nun mittlerweile auch offiziell genehmigter
Hochwasserschutz mit 5jährlichen Wiederkehrintervallen im Rahmen der
Bahndammsanierung in der Planung war,
kam es zwangsläufig zu kontroversen Meinungsbildern zwischen
Bürgerinitiative und den Vertretern der Kommunal- und Landespolitik über eine ãunbürokratische und schnelleÒ Umplanung der
bevorstehenden Baumaßnahmen bzw. der unkonventionellen Idee mittels Teilflutung zwar nicht Keller- und Straßenräume hochwasserfrei
zu halten - aber immerhin einen großen Anteil der Wohn- und Gewerberäume.

Teilflutung (HWTeilflutungsidee.JPG)
Mit dem propagierten Gedanken der Teilflutung wollten die Braubacher Hochwasserbetroffenen außerdem deutlich machen, dass man zwar einen verbesserten Hochwasserschutz forderte, aber nach wie vor bereit war auch weiterhin Opfer zu bringen, da ein direkter Verlust an †berschwemmungsraum in der engen Felsenlage des Mittelrheines immer nur eingeschränkt direkt vor Ort auszugleichen sein wird. Zusätzlich sollte damit ebenfalls ein Signal zu dem gut geschützten Oberrhein gesandt werden, um damit die politische Forderung nach Lastenausgleich für den bis dahin ungeschützten Mittelrhein zu unterstreichen. Aus diesen Tagen stammt das zwischenzeitlich schon oft zitierte Motto der HWNG Braubach:
Wir sind auch weiterhin
bereit ein Restrisiko zu tragen, aber kein Risiko das uns den Rest gibt.
Die
einsetzende Diskussion zu den Ideen und Initiativen der HWNG Braubach machten
schnell klar, dass es erheblichen Gesprächs-, Aufklärungs- und
Informationsbedarf auf allen politischen Ebenen und in der Bevölkerung am Ort
gab.

Bild
u. Leserbrief aus der Rhein-Lahn-Zeitung vom 20. September 1985
(HWStop 85 September.JPG)
Um
in der Sache weiterzukommen und um den Totschlagargumenten und unsachlichen Stammtischparolen
überzeugend zu begegnen (... kann
keiner bezahlen, ... technisch unmäglich, ... verrückt ..., etc.), musste die
Bürgerinitiative zwangsläufig technische, fachliche und bürokratische Kompetenzen erwerben.
Hier
nur schlaglichtartig die Hauptknackpunkte für unseren Informationsbedarf:
Standsicherheit
des Bahndamms, Untergrund- und Grundwasserverhältnisse, Auftrieb der
Trogwanne (=Straßeneinfahrt der L 327 unter der Bahn in die Stadt), Pumpwerke, Landeswassergesetz, Träger der Maßnahme,
Koordination der
Großbachverrohrung mit dem Straßenausbau bis zum Obertor, Ausgleichsmaßnahmen,
Retentionsraum, Regenrückhaltebecken, Kostenverteilung, Folgekosten, usw. .

Folienskizze Trogwanne (HWFolie Trogansicht.JPG)
Anhand einer Folienskizze aus einer unseren frühen Informationsveranstaltungen Mitte der 80ziger Jahre lässt sich beispielhaft sehr gut erkennen wie seitens der HWNG Braubach eine mögliche Auftriebsproblematik der Trogwanne durch Flutung und entsprechende binnenseitige Eindämmung mit mobilen Elementen aus unserer Sicht kreativ begegnet werden könnte. Dieser Gedanke ist dann Ð wie man bei einer Ortsbesichtigung in Braubach erkennen kann Ð in abgewandelter Form auch von den Planungsingenieuren umgesetzt worden. Die Mobilelemente befinden sich heute in der Praxis auf dem Rheinseitigen Mauerrand des Troges, wobei auch hier Vorrichtungen zur Flutung eingebaut sind. Diese sollen abhängig vom zu messenden Auftriebsverhalten, bzw. der erlaubten Einstauhöhe, mäglichen Standproblemen oder anderen Gefahren bei Hochwasserlagen gezielte Flutungen/Teilflutungen erlauben.
Große
Bedeutung hatte von Anfang an eine ständige Presse- und Medienarbeit. Das daraus erwachsene Interesse am Thema Hochwasser
in unseren Nachbargemeinden gezielt gewollt. Gründungen weiterer Hochwassernotgemeinschaften in den
Nachbargemeinden wie z. B. Spay und Lahnstein wurden von uns daher ausdrücklich
gefördert. Die Einrichtung eines Arbeitskreises Hochwasser - als
Informationsforum und Diskussionsplattform mit weiteren Bürgerinitiativen - war daher nur eine logische
Konsequenz zur Befärderung des Solidargedankens bei auch noch so
unterschiedlichen lokalen Voraussetzungen und Interessenlagen. Mit besonderem
Stolz betrachten wir daher die Tatsache,
das - unter Beibehaltung des Namens - 1990 von 37 Kommunen in Bingen die
HWNG Mittelrhein unter Oberbürgermeister Erich Naujack und daraus folgend 1996
in Köln im Historischen Rathaus unter Oberbürgermeister Norbert Burger, die
HWNG Rhein entstand, in der die Bürgerinitiativen als Mitglieder neben den
Kommunen aktiv eingebunden sind. Die HWNG Rhein wächst auch heute noch Ð
mittlerweile gehören ihr zwischen Frankreich und den Niederlanden über 60
Kommunen und mehr als ein Dutzend Bürgerinitiativen - unter dem Vorsitz des
derzeitigen Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma - an.
Als
ebenfalls der Versachlichung dauerhaft dienend erwies sich das nachhaltige kommunalpolitische Engagement in einer Freien Bürgerliste(FBL) in der Stadt
Braubach, bzw. in einer Freien Wählergruppe(FWG) im Rhein-Lahn-Kreis.

In zahlreichen Bürgerversammlungen, Informationsveranstaltungen, Expertenanhörungen, Besichtigungsfahrten, Gesprächen mit politisch Verantwortlichen, den Spitzen der Verwaltung und Behördenvertretern konnten somit kontroverse Auffassungen über die Jahre abgearbeitet werden, wobei das Hochwasser 1988 nur die schon seit dem Doppelhochwasser 1983 von der HWNG geäußerten Befürchtungen über die Verschärfung der Hochwassersituation bestätigte und durch die noch höheren Pegel der Hochwasser von 93 und 95 sogar
noch
übertraf.
Ab
1990 wurde dann in kooperativer Form durch eine Machbarkeitsstudie - bei der die HWNG die Schadenspotentialerhebung übernahm - und 1994 durch eine erweiterte
Machbarkeitsstudie der Hochwasserschutz für Braubachs Alt- und Neustadt
endgültig auf den Weg gebracht. Besondere Anerkennung verdient in diesem Falle
die gute und sachliche Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Björnsen in
Koblenz, dem Staatl, Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft (STAWA) Montabaur und
dem Umweltministerium in Mainz.
Erfreuliches
Ergebnis hierbei: Die auch als Beitrag zu einem kostengünstigen
Hochwasserschutz gedachte Teilflutungsidee der HWNG unterschied sich seitens
der Investitionen in die vorhandenen Baulichkeiten nicht wesentlich von einem
ãtrockenen HochwasserschutzÒ bis zur Unterkante des Straßenbelages.
Nach regem
Gedankenaustausch mit der HWNG erfolgten in den Jahren danach auch alle
Beschlüsse zu Planung und Bau einstimmig durch die Räte von Stadt und
Verbandsgemeinde. Zeitliche Verzögerungen, bedingt durch technische oder
juristische Probleme, waren zwar ärgerlich - wurden aber aufgrund des
vertrauensvollen Verhältnisses zu Umweltministerium und STAWA gefasst ertragen.
Nach der Fertigstellung des
Hochwasserschutzes vor Braubachs Altstadt folgte zwar nicht - wie zunächst in
Aussicht gestellt - nahtlos die bauliche Fortführung
des Hochwasserschutzes für die Neustadt.
Ab 1985 hatte die HWNG bereits nachhaltig die Einbeziehung dieses
Stadtbereiches hinter dem Straßendamm der B 42 Umgehung aus Richtung Lahnstein
in einem Teilabschnitt bis zum Finkenweg gefordert. Diese Forderung spiegelte
sich dann auch später in entsprechend einstimmigen Beschlüssen des Stadtrates
wieder. Konnten so auch zunächst die Bürger ob der angespannten
Haushaltssituation im Bund und im Lande nicht recht an die Fortführung glauben,
wurden aber mittlerweile konkrete Finanzierungszusagen im Landeshaushalt
verankert. Die Planungsergebnisse liegen nun schon länger vor, die Ergebnisse wurden am 31.01.2001 den
Bürgern vorgestellt und z. Zt. werden die letzten Grundstückskäufe bzw.
Tauschverfahren seitens der Verwaltung und des Stadtrates zügig abgearbeitet.
Wenn alles so weiter läuft kann davon ausgegangen werden, dass Ende 2003 oder
Anfang 2004 die Bagger wieder anrücken.

Straßendamm gegen Hochwasser absichern (HWNeustadt 85 September.JPG)
Aufgrund der sich nun ergebenden neuen
Hochwasserverteidigungsfront mit all ihrer Technik (Mobilelemente), hat sich
der HWNG Vorstand über die Schaffung einer Wasserwehr mit der Verwaltung
beraten und Mithilfe angeboten. Die weitere Arbeit der HWNG ist aber auch in
der Zukunft vorrangig von der Erkenntnis bestimmt, dass es letztendlich keinen
absoluten Hochwasserschutz gibt. Die Arbeit der HWNG wird daher auch zukünftig
darauf gerichtet sein am Ort das Gefahrenbewusstsein in den Reihen der
Geschützten dauerhaft wach zu halten und überregional weiterhin engagiert in
der HWNG Rhein an der Ursachenbekämpfung mit zu arbeiten.

Volle Wanne (HWTrog geflutet in der Bauphase.JPG)
Auch in der knapp 15 monatigen Bauphase des Hochwasserschutzes vor der Altstadt brachte sich der Rhein mit zwei 5 bis 6jährigen Hochwasserereignissen in Erinnerung, bei denen nochmals Trog und Altstadt geflutet werden mussten. Im vergangenen Jahr verlies der Rhein sogar mit insgesamt 6 Hochwasserwellen jenseits der 5 jährigen statistischen Theorie sein Bett.
Interessant sind in
diesem Zusammenhang auch die statistischen Angaben der Münchener Rück
hinsichtlich der weltweit zahlreichen großen Unwetter- und
†berschwemmungskatastrophen für das Katastrophenjahr
2002 mit mehr als 10 000 Opfern. In Europa gab es eine Flut an
der Elbe, wie man sie seit Jahrhunderten nicht mehr erlebt hatte. Allein über
450 Todesopfer waren in Europa zu beklagen. Die volkswirtschaftlichen Schäden
betrugen weltweit 55 Milliarden Dollar.
Mit Blick auf die Zukunft bedeutet der Hochwasserschutz
für Braubach also keines Falles, dass wir uns aufgrund des erhaltenen Ð bzw.
vor der Ausführung stehenden Schutzmaßnahmen Ð entspannt zurücklegen kännen. Es
muss auch hier das Gefahrenbewusstsein nachhaltig in den Köpfen der
Flussanlieger und der politischen Entscheidungsträger verankert und
wachgehalten werden. Dies Wächtersamt muss insbesondere durch die
Bürgerinitiativen und Kommunen in der HWNG Rhein ausgeübt werden. Sie müssen
die Bundesländer, den Bund und die europäischen Nachbarländer ständig an die
Umsetzung des ãAktionsplan HochwasserÒ erinnern und jährlich die Umsetzung der
Handlungsziele in Sachstandsberichten überprüfen.
Der Aktionsplan Hochwasser beruht
auf der Erklärung von
Arles der für Rhein und Maas zuständigen EU-Umweltminister. Die
Internationale Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) hat auf dieser
Grundlage einen Aktionsplan Hochwasser" erstellt. Der Aktionspian wurde
bei der 12. Rhein-Ministerkonferenz im Januar 1998 in Rofferdam beschlossen und
soll in den kommenden zwanzig Jahren für die Verbesserung des vorsorgenden
Hochwasserschutzes realisiert werden.
Vier Handlungsziele
geben die Richtung für eine Verbesserung im Hochwasserschutz vor:
1. Minderung
der Schadensrisiken um 10 % bis zum Jahr 2005 und um 25 % bis zum Jahr 2020.
2. Minderung
der Extremhochwasserstände um bis zu 30 cm bis zum Jahr 2005 und um bis zu 70
cm bis zum Jahr 2020.
3. Verstärkung
des Hochwasserbewusstseins durch Aufstellung flächendeckender Risikokarten bis
zum Jahr 2005.
4. Verbesserung
der Hochwassermeldesysteme und Verlängerung der Vorhersage-zeiträume um
100 % bis zum Jahr 2005.
Maßnahmen aus den Kategorien Wasserrückhalt im Einzugsgebiet, Wasserrückhalt am Rhein, Technischer Hochwasserschutz, Vorsorgemaßnahmen im Planungsbereich und Hochwasservorhersage sind hierzu notwendig.
Das Kostenvolumen für diesen ehrgeizigen Plan, der von den Rheinanliegerstaaten umzusetzen ist, umfasst 12 Milliarden EURO. Dass Hochwasserschutz wirtschaftlich ist, zeigt die (geschätzte) Zahl des möglicherweise vom Hochwasser betroffenen Gesamtvermögens: Es beläuft sich auf 1500 Milliarden EURO.
Dass
bei dem auf dem Spiele stehenden volkswirtschaftlichen Vermögen auch über die Einführung einer allgemeinen
Pflichtversicherung gegen Elementarschäden neu nachgedacht werden muss ist in Anbetracht der zuvor beschriebenen
Katastrophenentwicklung längst überfällig. Als erfreulich zu
bewerten ist in diesem Zusammenhang eine Initiative des
SPD-Landtagsabgeordneten Roger Lewentz vom August 2002 eine Pflichtversicherung
gegen Elementarschäden ernsthaft zu prüfen, welche sich an der in der Schweiz
gültigen Regelung orientiert und den bereits im Jahr 2000 von der HWNG Rhein
propagierten Aspekten einer solchen Versicherung in vielen Punkten nahe kommt.
Auf Vorschlag von Ministerpräsident Beck hat auch Bundeskanzler Gerhard
Schröder in der Ministerpräsidentenkonferenz nach der Flutkatastrophe vom
Sommer 02 eine entsprechende Prüfung durch die Bundesregierung zugesagt.
Sachsens Ministerpräsident Milbradt unterstützt dies ebenfalls und sprach sich
sogar für einen Prüfauftrag im Sinne einer europaweiten
Elementarschadenspflichtversicherung aus. Die von Umweltminister Jürgen Trittin
hierzu gemachten €ußerungen waren allerdings wenig hoffnungsvoll.
Die
Betroffenen Menschen können in der zurzeit nach wie vor hochgradig angespannten
Katastrophensituation nur hoffen, dass dadurch letztendlich auch die politische
Diskussion und erwartete
konkrete Entscheidung im Laufe des Jahres 2003 nachhaltig gesucht und gefunden
wird.